Eingangs muss erwähnt werden, dass ich kein Freund von „Erfahrungsberichten“ dieser oder ähnlicher Art bin. So habe ich der Bitte, dieses Buch zu lesen und mich möglicherweise auch zu dessen Inhalt zu äußern, nur mäßig begeistert entsprochen.
Die Autorin ist allein erziehende Mutter von 12 Kindern, wobei davon noch 11 im Haushalt leben, auch wenn es darauf kaum ankommt. Warum man es sich „antut“, 12 Kinder in die Welt zu setzen und was die Autorin dazu bewogen hat, mag dahingestellt bleiben und wird auch dem Buch nicht deutlich zu entnehmen sein. Fest steht, dass es der Familie einmal finanziell so gut ging, dass es auf „ein bis drei oder fünf Kinder“ schlicht nicht ankam, um es mal lakonisch auszudrücken.
Alina E. Look beschreibt einige besonders schicksalsschwere Stationen ihres Lebens und beginnt – nach einer recht humorvollen Vorstellung ihrer „Rasselbande“ mit ihrem Verhältnis zu ihren Eltern.
Nun wird hier der Eine oder Andere stöhnen.“Klar, dass ihr die Suppe anbrennt, liegt nur an dem Ausgehverbot, das sie mit 18 hatte.“ – Ganz so einfach ist es nicht und man wird sich den Vorwurf gefallen lassen müssen, dass nur die Wenigsten unter uns in den zweifelhaften Genuss gekommen sind, Mitglied einer einflussreichen Familie zu sein und somit kaum jemand zu beurteilen vermag, wie schwer – wenn nicht gar unmöglich – es ist, sich diesem Einfluss zu entziehen, ohne Schaden zu nehmen, wenn der Ruf der Familie an erster Stelle steht. Man wird im Verlaufe des Berichts feststellen, dass die Autorin auch durchaus von diesem Einfluss profitiert hat – zumindest finanziell aber auch nur, solange sie „funktionierte“.
Sie beschreibt ihre Gefühle zu ihrer ersten großen Liebe und die herben Konsequenzen seitens ihres Elternhauses, die diese mit sich bringt. Diese gipfeln darin, dass sie für ein Jahr in ein Internat „verbannt“ wird.
Und da sie – wie man im weiteren Verlauf der Lektüre feststellen wird – das Extreme nicht nur lebt, sondern geradezu verkörpert, wird sie beschreiben, wie und warum sie ein Opfer der Magersucht wurde und wie man sie geradezu in letzter Minute rettet. Nicht zuletzt diese recht genau beschriebene Erfahrung kann Betroffenen, die sich derzeit noch nicht dafür halten, eine dringende Warnung sein.
Später macht sie den Lkw-Führerschein und sogar den Pilotenschein und arbeitet in der Firma des Vaters, wie vor ihr schon der Bruder. Während dieser als „Stammhalter“ bereits den Vater vertritt, wird sie mit Lagerarbeit beginnen – von der Pike auf lernen, wie es so schön heißt. Sie wird über den Status eines – wenn auch flexiblen – Arbeiters kaum hinauskommen.
Dass sie mit dieser Familienhierarchie so gar nicht zurechtkommt wird deutlich, wenn sie begeistert von ihren Besuchen bei der Familie ihres künftigen Mannes berichtet. Dort ist man arm, offen und ehrlich, jeder ist willkommen, niemand nimmt ein Blatt vor den Mund. Streitigkeiten werden ohne Anwalt ausgetragen; eine für sie völlig neue Erfahrung. Hier erlebt sie Verhaltensmuster, die ihr aus ihrem „goldenen Käfig“, wie sie ihr Elternhaus nennt, unbekannt sind.
Ergänzend sollte hinzugefügt werden, dass ich nicht ganz unvoreingenommen diese Zeilen schreibe. Allerdings auch mit jenem Hintergrundwissen, das dem Leser, zumindest teilweise, verschlossen bleiben wird. Ich habe einiges hinterfragt und in Frage gestellt, angezweifelt und auch verurteilt. Ich habe stundenlang mit ihrem Manager debattiert, bemängelt und kritisiert.
Übrig bleibt das Bild einer Frau, die gar nicht anders leben und handeln konnte. Einer Frau, der man helfen möchte, die sich aber nicht in der Lage sieht, Hilfe anzunehmen, weil sie Angst davor hat, sich in eine Abhängigkeit zu begeben, die ihr erneut schadet. Sie hat ebenso Angst, den Falschen zu vertrauen, wie den Falschen zu misstrauen.
Und wen wundert’s… Sie vertraute ihrem Vater ihre Söhne an, der diese sexuell missbrauchte. Sie vertraute den Ärzten ihren schwerkranken Sohn an, den sie nach einer Fehloperation, die man zu vertuschen versuchte, verlor. Sie vertraute ihrem Mann und Vater ihrer Kinder, der sich von allem lossagte und sich sowohl dem Alkohol als auch dem anderen Geschlecht zuwandte.
Ich will der Lektüre des Buches nicht vorgreifen, so seien hier nur Bruchstücke präsentiert. Der Leser wird feststellen, dass die Autorin manches in Einzelheiten beschreibt, während anders nur angesprochen wird oder Gedankengänge ganz unter den Tisch fallen.
Macht man sich jedoch die Fülle des Erlebten bewusst und hält sich vor Augen, dass gerade damit begonnen wurde, die Vergangenheit aufzuarbeiten, wird man leicht feststellen, dass jede Station ihrs Lebens ein Buch dieses Umfangs füllen würde.
In ihrem Vorwort schreibt A. E. Look: „Vielleicht findet sich der eine oder andere in diesem Buch wieder…“
Ich bin überzeugt, dass sich etliche in diesem Buch wieder finden, denn es beschreibt nicht nur ein Schicksal, sondern viele.
P. Mühlenstädt
“Ich habe vorgestern ein Plakat bei "Schreibwaren Markstahler" über Ihre neuste Bucherscheinung gesehen und dieses Buch sofort gekauft, weil es mich in jeder Hinsicht angesprochen hat.
Ich habe es bereits fertig gelesen und war tief ergriffen, vor allem weil Fragmente meines eigenen Lebens - wenn auch in anderer Art und Weise - beinhaltet waren. Ich freue mich, dass gerade Sie dieses Buch herausgegeben haben, sonst wäre ich wohl nicht darauf gestoßen...
Ich wünsche Ihnen viel Erfolg und bin überzeugt, dass das Buch reissenden Absatz finden wird. Ich jedenfalls werde meinen Teil dazu beitragen, indem ich es weiterempfehle.”
M. Albrecht, Denzlingen
"..u.a. ..das spannende Buch - ich konnte es nicht mehr aus der Hand legen und werde es in meinem Bekanntenkreis unbedingt weiter empfehlen.”
Frau Tescher (Parkhotel Adler), Hinterzarten
Alina scheint eine bemerkenswerte Person zu sein. Der Anfang ihres Buches macht klar, dass es sich um einen authentischen Bericht handelt und dass die Autorin gnadenlos ehrlich ist. 12 Kinder. Hat die Frau sie noch alle? Selbst Schuld, braucht sie gar nicht weiter schreiben und der Leser nicht weiter lesen. Doch - er liest weiter. Er muss, denn er spürt, da kommt noch etwas. Es kommt. Und wie es kommt. Wir bekommen in diesem Buch ein Leben geschildert, wie es heftiger, schlimmer, außergewöhnlicher und bemerkenswerter kaum sein kann. Und jeder, der ehrlich zu sich selbst ist, wird an der ein oder anderen Stelle sein eigenes Leben vorbeiziehen sehen. Sich selbst erleben. Warum? Weil ein Mensch dieses Buch geschrieben hat und es menschlicher kaum sein kann.
Alina ist in einer Vorzeigefamilie aufgewachsen und dort eindeutig fehl am Platz. Denn sie ist kein Vorzeigemensch, sondern sie selbst. Von Kindheit an. Entgegen allen Widerständen, entgegen ihrer eigenen Unsicherheit, entgegen allem, was man von ihr erwartet. Sie scheint daran zu zerbrechen. Dieser - ebenso scheinbare - Zusammenbruch zeigt ihren Willen, ihren Charakter, ihr Selbst. Magersüchtig und halb tot wird sie endlich in eine Klinik eingeliefert und ist in Behandlung - was eine Schande. Aber nicht doch - der Stärke dieses Charakters muss sich die Familie schließlich beugen. Auch nach außen hin. Alina zwingt sie dazu mit ihrer Nicht-Anpassung. Sie zeigt damit gleichzeitig, dass es nicht funktioniert, einen Menschen einfach zu beugen, wenn dieser es nicht will. Sie zeigt, dass es Sinn macht, zu sein wie man ist. Hätte sie sich gebeugt, wäre sie an den Anforderungen, die an sie gestellt wurden, zerbrochen, wäre sie tatsächlich - zerbrochen.
Ist das der Sinn unseres Lebens? Der Leser erkennt in Alina und ihrem Buch eindeutig die Antwort: Nein !
Es fällt schwer - nicht hin und wieder einfach zu weinen beim Lesen. Was Alina erleben musste, Schicksalsschlag für Schicksalsschlag, immer noch einen drauf, wirkt schon suspekt. Trotzdem glaubhaft. Sie hat ihr ganzes Ich in dieses Buch gelegt und ihre ganze Wahrheit - zwischen den Schilderungen der Ereignisse und Umstände. Genau das macht es so bemerkenswert.
Der Inhalt? Es ist unmöglich, diesen in ein paar Worten wiederzugeben. Lest selbst. Erkennt euch selbst. Arbeitet eure Vergangenheit selbst auf. Bildet euch eure eigene Meinung.
Ich habe niemals ein ehrlicheres, schlimmeres und mitreißenderes Buch gelesen als dieses. Und es handelt von einem Menschen, der in jedermanns Nachbarschaft wohnen könnte. Unerkannt, allenfalls in skandalöse Gerüchte verwickelt.
Alina hat so ziemlich die gesamte Palette der Widrigkeiten und Grausamkeiten des Schicksals erlebt. Und zu sich selbst gefunden. Warum ich das erwähne? Weil nur außergewöhnliche Menschen mit Außergewöhnlichem konfrontiert werden - langfristig. Alle anderen gehen daran zugrunde, bevor sie noch mehr Erfahrungen sammeln können.
Es hat weh getan, das Buch zu lesen, weil es vieles dabei aufwühlt. Es hat gut getan es zu lesen, weil es einen Menschen gibt, der das alles überlebt hat. Es hat wehgetan, weil nur die Kaltblütigkeit der Menschen und Politik und Wirtschaft solches erst ermöglichen. Es hat gut getan zu erfahren, dass es auch hinter den blendendsten Kulissen nicht anders
zugeht. Es hat gut getan zu wissen, dass trotz allem kein Grund besteht, sich selbst aufzugeben.
Rezension von Nicole Osmanovic, Verlag Schleierwelten, Wyk/Föhr